Bausparvertrag: Wann er sich lohnt
Das Wichtigste vorweg
- Ein Bausparvertrag sichert dir heute schon einen festen Darlehenszins für später — das ist sein größter Vorteil.
- Die Guthabenzinsen sind mit 0,01–0,25 % extrem niedrig. Als reine Sparform taugt Bausparen nicht.
- Abschlussgebühr: 1–1,6 % der Bausparsumme — die zahlst du sofort und bekommst sie nicht zurück.
- Staatliche Förderung (Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulage, Wohn-Riester) kann den Vertrag deutlich aufwerten.
- Bausparen lohnt sich nur, wenn du in 5–10 Jahren wirklich bauen, kaufen oder modernisieren willst.
Warum Bausparen 2026 noch Sinn macht
Wer in ein paar Jahren eine Immobilie kaufen, bauen oder das Eigenheim modernisieren will, steht vor einem Problem: Niemand weiß, wo die Bauzinsen dann stehen. 2022 sind sie innerhalb weniger Monate von unter 1 % auf über 4 % geschossen. Genau hier setzt der Bausparvertrag an.
Du sparst über mehrere Jahre einen Teil der Summe an und sicherst dir gleichzeitig einen festen Darlehenszins — egal, was am Markt passiert. Das ist kein Allheilmittel, aber für bestimmte Situationen ein kluger Baustein:
- Junge Leute, die in 5–10 Jahren Eigentum kaufen wollen und sich den Zins von heute sichern möchten.
- Familien, die eine Modernisierung oder einen Anbau planen und dafür 20.000–60.000 € brauchen.
- Anschlussfinanzierer, die ihre laufende Baufinanzierung in ein paar Jahren ablösen müssen.
Wenn du keinen konkreten Immobilienwunsch hast, ist Bausparen dagegen meistens die falsche Wahl. Dazu gleich mehr.
So funktioniert ein Bausparvertrag
Ein Bausparvertrag läuft in drei Phasen. Das Prinzip ist seit Jahrzehnten dasselbe — nur die Konditionen ändern sich.
| Phase | Was passiert | Dauer | Typische Zahlen |
|---|---|---|---|
| 1. Sparphase | Du zahlst monatlich ein und baust Guthaben auf (ca. 30–50 % der Bausparsumme). | 5–10 Jahre | Guthabenzins 0,01–0,25 % |
| 2. Zuteilung | Die Bausparkasse prüft, ob du genug angespart hast und die Bewertungszahl erreicht ist. | wenige Wochen | Mindestguthaben 30–50 % |
| 3. Darlehensphase | Du bekommst den Differenzbetrag als Darlehen — zum fest vereinbarten Zins. | 7–15 Jahre | Darlehenszins 1,5–2,5 % fest |
Die Bausparsumme ist der Gesamtbetrag aus Guthaben plus Darlehen. Daumenregel: Setze die Bausparsumme auf etwa das Doppelte deines geplanten Darlehensbedarfs. Brauchst du 30.000 € Darlehen, wähle eine Bausparsumme von rund 60.000 €.
Kosten, Zinsen und staatliche Förderung
Bausparen hat drei Kostenseiten — und bis zu drei Fördertöpfe, die dagegen arbeiten.
Was es kostet
- Abschlussgebühr: 1–1,6 % der Bausparsumme, fällig bei Vertragsstart. Bei 50.000 € Bausparsumme und 1 % sind das 500 €. Die werden vom ersten Guthaben abgezogen.
- Kontogebühr: Manche Bausparkassen verlangen 10–25 € pro Jahr. Immer im Kleingedruckten prüfen.
- Guthabenzins: Mit 0,01–0,25 % liegt er weit unter jedem Tagesgeldkonto. Dein Guthaben wächst kaum.
Was du bekommst
- Fester Darlehenszins: Das ist der eigentliche Wert. Wenn du bei Vertragsschluss 1,9 % vereinbarst, zahlst du in 7 Jahren genau diesen Zins — auch wenn der Marktzins dann bei 5 % liegt. Typische Spanne: 1,5–2,5 %.
- Planungssicherheit: Du weißt von Tag eins, was dein Darlehen kosten wird. Kein Zinsänderungsrisiko.
Staatliche Förderung nutzen
| Förderung | Betrag | Bedingung |
|---|---|---|
| Wohnungsbauprämie | bis 70 €/Jahr (Singles), 140 € (Paare) | zvE bis 35.000 € (Singles) / 70.000 € (Paare), ab 2024 |
| Arbeitnehmersparzulage | 9 % auf bis zu 470 €/Jahr VL-Einzahlung | zvE bis 40.000 € (Singles) / 80.000 € (Paare) |
| Wohn-Riester | bis 175 € Grundzulage + 185–300 € je Kind | Riester-Berechtigung, wohnwirtschaftliche Verwendung |
Prüfe vor Vertragsschluss, ob du die Einkommensgrenzen einhältst. Gerade für Berufseinsteiger und junge Familien summieren sich die Zulagen über die Sparphase zu einem spürbaren Betrag.
50.000 € Bausparsumme: Was kommt dabei raus?
Damit das Ganze greifbar wird, hier ein vereinfachtes Beispiel. Die Zahlen sind gerundet und dienen der Orientierung.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Bausparsumme | 50.000 € |
| Abschlussgebühr (1 %) | 500 € |
| Monatliche Sparrate | 200 € |
| Sparphase | 7 Jahre |
| Angespartes Guthaben (inkl. Mini-Zinsen, abzgl. Gebühr) | ca. 17.000 € |
| Bauspardarlehen | 33.000 € |
| Darlehenszins | 1,9 % fest |
In der Sparphase hast du insgesamt 16.800 € eingezahlt (200 € × 84 Monate). Dazu kommen minimale Guthabenzinsen, abzüglich der 500 € Gebühr — macht rund 17.000 € Guthaben. Die restlichen 33.000 € bekommst du als Darlehen zu 1,9 % fest.
Was wäre die Alternative? Hättest du die 200 € monatlich auf ein Festgeldkonto gelegt, wäre dein Guthaben höher — dafür hättest du keinen garantierten Darlehenszins. Wenn die Bauzinsen in 7 Jahren bei 4–5 % liegen, sparst du mit dem Bausparvertrag über die Darlehenslaufzeit mehrere tausend Euro an Zinskosten.
Addierst du noch die Wohnungsbauprämie (bis 490 € über 7 Jahre als Single), wird der Nachteil durch die niedrigen Guthabenzinsen teilweise ausgeglichen.
Wann sich Bausparen nicht lohnt
Für viele Leute ist ein Bausparvertrag die falsche Wahl. Prüfe, ob einer dieser Punkte auf dich zutrifft:
- Kein Immobilienwunsch: Ohne konkreten Plan zu bauen, zu kaufen oder zu modernisieren ist der niedrige Guthabenzins ein reines Verlustgeschäft. Ein Tagesgeldkonto oder Festgeld bringt mehr.
- Reine Sparanlage: 0,01–0,25 % Guthabenzins liegen weit unter der Inflation. Als Geldanlage ohne Darlehensziel ist Bausparen ungeeignet.
- Kurzfristiger Bedarf: Brauchst du das Geld in 1–2 Jahren, ist die Sparphase viel zu kurz für eine Zuteilung.
- Zu hohe Bausparsumme: Wer sich von einer hohen Summe blenden lässt, zahlt unnötig viel Abschlussgebühr.
Hast du grundsätzlich Interesse an einer Immobilie, aber noch keinen klaren Zeitplan? Dann ist es oft sinnvoller, zuerst deine Finanzen zu ordnen und Eigenkapital flexibel aufzubauen, bevor du dich an einen Bausparvertrag bindest.
Bauspar-Sofortfinanzierung: Bausparen ohne Wartezeit
Manche Bausparkassen bieten eine Sofortfinanzierung an: Du bekommst sofort ein Vorausdarlehen und besparst parallel den Bausparvertrag. Nach der Zuteilung löst das Bauspardarlehen das Vorausdarlehen ab.
Klingt praktisch, hat aber Haken:
- Du zahlst in der Zwischenphase Zinsen auf das Vorausdarlehen und sparst gleichzeitig ein — doppelte Belastung.
- Der effektive Gesamtzins liegt oft höher als bei einer klassischen Baufinanzierung.
- Rechne beide Varianten durch und vergleiche den Effektivzins über die gesamte Laufzeit.
Wenn du die Immobilie schon gefunden hast und den Kauf nicht aufschieben kannst, prüfe auch ein Forward-Darlehen als Alternative.
So gehst du vor
- Bedarf klären: Wofür brauchst du das Darlehen (Kauf, Bau, Modernisierung)? Wie viel Geld brauchst du — und wann?
- Bausparsumme berechnen: Daumenregel: doppelter Darlehensbedarf. Bei 30.000 € Darlehenswunsch → 60.000 € Bausparsumme.
- Förderung prüfen: Hast du Anspruch auf Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulage oder Wohn-Riester? Das kann mehrere hundert Euro pro Jahr ausmachen.
- Tarife vergleichen: Achte auf Darlehenszins, Abschlussgebühr und Mindestansparzeit. Der Bauspar-Vergleich hilft dir dabei.
- Sparrate festlegen: Plane realistisch. Die Rate muss über Jahre in dein Budget passen, ohne dass du an anderer Stelle ins Minus rutschst.
- Vertrag abschließen und durchhalten: Einmal unterschrieben, heißt es: dranbleiben. Sonderzahlungen beschleunigen die Zuteilung.
Was beim Bausparen unklar bleibt
Kann ich einen Bausparvertrag kündigen?
Ja, du kannst jederzeit kündigen. Du bekommst dein Guthaben zurück, allerdings abzüglich der Abschlussgebühr (die ist weg). Manche Tarife haben eine Kündigungsfrist von 3–6 Monaten. Die staatlichen Zulagen musst du unter Umständen zurückzahlen, wenn du das Geld nicht wohnwirtschaftlich verwendest.
Lohnt sich Bausparen auch ohne Wohnungsbauprämie?
Ja, wenn du einen konkreten Immobilienwunsch hast. Der Hauptvorteil ist der feste Darlehenszins, nicht die Förderung. Die Prämie ist ein netter Bonus, aber kein Entscheidungskriterium. Ohne Immobilienplan und ohne Förderung lohnt es sich dagegen praktisch nie.
Wie hoch sollte die Bausparsumme sein?
Orientiere dich am doppelten Darlehensbedarf. Planst du eine Modernisierung für 25.000 €, reicht eine Bausparsumme von 50.000 €. Zu niedrig ansetzen bedeutet, dass das Darlehen nicht reicht. Zu hoch kostet unnötig Abschlussgebühr.
Was passiert, wenn ich das Darlehen gar nicht brauche?
Kein Problem — du musst das Darlehen nicht abrufen. Nach der Zuteilung kannst du dir einfach dein Guthaben auszahlen lassen. Allerdings hast du dann jahrelang zu sehr niedrigen Zinsen gespart und die Abschlussgebühr bezahlt. Finanziell wäre eine andere Anlageform besser gewesen.
Nächste Schritte
Bausparen ist kein Sparprodukt — es ist eine Zinswette auf die Zukunft. Wenn du in den nächsten 5–10 Jahren bauen, kaufen oder modernisieren willst, kann sich der feste Darlehenszins richtig auszahlen. Prüfe zuerst, ob du staatliche Förderung bekommst, und vergleiche dann die Tarife.
Stand: Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Lesezeit: ca. 7 Minuten.