Kompakt
- Arbeitnehmer bekommen im Schnitt rund 1.000 € pro Steuererklärung zurück – viele verschenken das Geld.
- Kommerzielle Steuersoftware kostet 15–40 € und führt dich Schritt für Schritt durch die Erklärung.
- ELSTER ist kostenlos, aber wenig intuitiv. Für Einsteiger sind geführte Programme deutlich einfacher.
- Die Abgabefrist ist der 31. Juli des Folgejahres. Mit Steuerberater hast du bis zum 28. Februar des übernächsten Jahres Zeit.
- Dank Belegabruf hat das Finanzamt die meisten Daten schon digital – du ergänzt nur noch.
Warum sich die Steuererklärung fast immer lohnt
Viele Arbeitnehmer machen keine Steuererklärung. Nicht weil es sich nicht lohnt, sondern weil sie denken, es sei kompliziert. Das Ergebnis: Sie verschenken bares Geld.
Laut Statistischem Bundesamt liegt die durchschnittliche Erstattung für Arbeitnehmer bei rund 1.000 €. Das ist kein Ausreißer, sondern der Normalfall. Denn über das Jahr verteilt zahlst du in der Regel mehr Lohnsteuer, als du eigentlich müsstest. Die Steuererklärung ist deine Chance, den Überschuss zurückzuholen.
Der häufigste Grund für die Erstattung: Werbungskosten. Dein Arbeitgeber rechnet bei der monatlichen Lohnsteuer nur die Pauschale von 1.230 € ein. Alles, was darüber hinausgeht – etwa Fahrtkosten, Homeoffice oder Arbeitsmittel – bekommst du erst über die Steuererklärung zurück.
Dazu kommen Posten wie Versicherungsbeiträge, Handwerkerleistungen oder Krankheitskosten. Je mehr du angibst, desto mehr bekommst du zurück. Der Aufwand? Mit einer guten Software unter zwei Stunden. Für ein paar Hundert Euro Erstattung ein ziemlich guter Stundenlohn.
ELSTER, Software oder App – was passt zu dir?
Du hast drei Wege, deine Steuererklärung digital abzugeben. Jeder hat seine Stärken.
| Kriterium | ELSTER (Finanzamt) | Desktop-Software | Steuer-App |
|---|---|---|---|
| Kosten | kostenlos | 15–40 € pro Jahr | 0–40 € (teils Freemium) |
| Benutzerführung | Formular-Logik, wenig Hilfe | Interview-Modus, Tipps, Prüfung | geführt per Chat/Frage-Antwort |
| Steuertipps & Optimierung | keine | ja, mit Spar-Rechner | ja, oft mit KI-Unterstützung |
| Belegabruf | ja | ja | ja |
| Geeignet für | Erfahrene, einfache Fälle | Einsteiger & Fortgeschrittene | Einsteiger, einfache Fälle |
| Beispiele | Mein ELSTER | WISO Steuer, tax, SteuerSparErklärung | Taxfix, Steuerbot, Wundertax |
Die ehrliche Einschätzung: ELSTER funktioniert, ist aber kein Vergnügen. Du musst wissen, welches Formular du brauchst und wo du was einträgst. Kommerzielle Programme stellen dir einfache Fragen („Hast du einen Arbeitsweg?“) und füllen die Formulare im Hintergrund aus. Das ist der entscheidende Unterschied, gerade wenn du die Erklärung zum ersten Mal machst.
Schau dir die aktuellen Programme in unserem Steuersoftware-Vergleich an – dort findest du Preise, Funktionen und Bewertungen auf einen Blick.
Diese Posten kannst du absetzen
Die gute Nachricht: Vieles, was du im Alltag zahlst, mindert deine Steuerlast. Hier sind die wichtigsten Hebel für Arbeitnehmer.
Werbungskosten – alles, was mit deiner Arbeit zusammenhängt:
- Pendlerpauschale: 0,30 € pro Kilometer einfache Strecke, ab dem 21. Kilometer sogar 0,38 €. Gilt für jeden Arbeitstag, egal ob Auto, Fahrrad oder Bahn.
- Homeoffice-Pauschale: 6 € pro Tag im Homeoffice, maximal 1.260 € im Jahr (210 Tage). Kein separates Arbeitszimmer nötig.
- Arbeitsmittel: Laptop, Monitor, Schreibtisch, Bürostuhl, Fachliteratur. Bis 952 € (brutto) sofort absetzbar, darüber verteilt auf die Nutzungsdauer.
- Internet und Telefon: Bis zu 20 € pro Monat pauschal ohne Nachweis, wenn du privates Internet auch beruflich nutzt.
- Kontoführungsgebühren: 16 € pauschal, ohne Nachweis.
- Fortbildungen: Kursgebühren, Fahrtkosten, Übernachtungen – alles absetzbar.
Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen:
- Versicherungsbeiträge: Kranken- und Pflegeversicherung (Basisbeiträge), Haftpflicht, Unfallversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung. Prüfe, ob du hier etwas vergisst – gerade die Fixkosten, die du sowieso zahlst, bringen oft Steuervorteile.
- Riester- und Rürup-Beiträge: Bis zu den jeweiligen Höchstbeträgen absetzbar.
- Spenden: An gemeinnützige Organisationen, mit Zuwendungsbestätigung.
- Krankheitskosten: Zuzahlungen, Brille, Zahnersatz – soweit sie die zumutbare Belastung übersteigen.
Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen:
- Handwerker: 20 % der Arbeitskosten (nicht Material), maximal 1.200 € Steuerersparnis pro Jahr. Gilt auch für Schornsteinfeger, Rohrreinigung oder Malerarbeiten.
- Haushaltsnahe Dienstleistungen: Putzhilfe, Gartenpflege, Kinderbetreuung – ebenfalls 20 % der Kosten, bis zu 4.000 € Steuerersparnis.
Wichtig: Die Werbungskosten-Pauschale von 1.230 € ist bereits in deiner monatlichen Lohnsteuer berücksichtigt. Ein Steuervorteil entsteht erst, wenn deine tatsächlichen Werbungskosten über diesem Betrag liegen. Deshalb lohnt sich das Sammeln.
Was bleibt am Ende übrig?
Fiktives Beispiel – die tatsächliche Erstattung hängt von deinem Einkommen und Steuersatz ab.
Anna, Angestellte, Bruttojahresgehalt 42.000 €, Steuerklasse I. Sie pendelt 15 km zur Arbeit und arbeitet 100 Tage im Homeoffice.
| Posten | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Pendlerpauschale (120 Bürotage) | 120 Tage × 15 km × 0,30 € | 540 € |
| Homeoffice-Pauschale | 100 Tage × 6 € | 600 € |
| Internet/Telefon | 12 Monate × 20 € | 240 € |
| Arbeitsmittel (Bürostuhl, Headset) | pauschal | 300 € |
| Kontoführung | Pauschale | 16 € |
| Fachliteratur | – | 14 € |
| Werbungskosten gesamt | 1.710 € | |
| abzüglich Pauschale | − 1.230 € | |
| Steuermindernd | 480 € |
Bei einem Grenzsteuersatz von 30–42 % ergibt das eine Erstattung von etwa 200–400 € – allein durch Werbungskosten. Kommen noch Versicherungsbeiträge oder Handwerkerrechnungen dazu, steigt der Betrag weiter.
Zum Vergleich: Die Steuersoftware kostet dich 15–40 €. Das Verhältnis spricht für sich.
In 6 Schritten zur fertigen Steuererklärung
- ELSTER-Konto anlegen – falls noch nicht vorhanden. Die Registrierung bei Mein ELSTER dauert ein paar Tage (Aktivierungscode per Post). Das brauchst du auch für jede andere Software, weil die Erklärung am Ende über ELSTER ans Finanzamt geht.
- Steuersoftware auswählen – vergleiche Funktionen und Preise. Für Angestellte ohne Nebeneinkünfte reicht ein günstiges Programm oder eine App. In unserem Steuersoftware-Vergleich findest du die gängigen Optionen.
- Belegabruf aktivieren – mit dem ELSTER-Zertifikat holst du dir die Daten, die das Finanzamt schon hat: Lohnsteuerbescheinigung, Versicherungsbeiträge, Riester-Zulagen. Das spart dir das meiste Abtippen.
- Interview ausfüllen – die Software führt dich durch die relevanten Bereiche. Beantworte die Fragen ehrlich und vollständig. Vergiss nicht: Pendlerpauschale, Homeoffice-Tage, Arbeitsmittel, Versicherungen, Handwerkerrechnungen.
- Prüfen und absenden – die Software prüft auf Plausibilität und zeigt dir die voraussichtliche Erstattung. Wenn alles passt, sendest du die Erklärung direkt über ELSTER ab.
- Steuerbescheid kontrollieren – nach 4–8 Wochen bekommst du den Bescheid. Vergleiche ihn mit der Berechnung deiner Software. Stimmt etwas nicht, hast du einen Monat Zeit für einen Einspruch.
Häufige Fragen
Muss ich als Arbeitnehmer eine Steuererklärung abgeben?
In vielen Fällen bist du nicht verpflichtet, aber es lohnt sich trotzdem. Pflicht besteht zum Beispiel bei Steuerklasse III/V, Nebeneinkünften über 410 € oder Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeitergeld oder Elterngeld. Freiwillig abgeben kannst du bis zu vier Jahre rückwirkend – für 2022 also noch bis Ende 2026.
Was ist besser: Steuersoftware oder Steuerberater?
Für die meisten Arbeitnehmer reicht eine Software völlig aus. Sie kostet 15–40 € statt mehrerer Hundert Euro beim Steuerberater. Einen Berater brauchst du eher bei Selbstständigkeit, Immobilienvermietung oder komplizierten Erbschaftsfragen. Der Vorteil beim Berater: Du bekommst automatisch eine längere Abgabefrist bis zum 28. Februar des übernächsten Jahres.
Kann ich Homeoffice und Pendlerpauschale gleichzeitig absetzen?
Ja, aber nicht für denselben Tag. An Tagen, an denen du ins Büro fährst, setzt du die Pendlerpauschale an. An Homeoffice-Tagen die Homeoffice-Pauschale von 6 €. Beides zusammen kann sich richtig lohnen – wie das Rechenbeispiel oben zeigt.
Lohnt sich die Steuererklärung auch bei kurzem Arbeitsweg?
Ja. Selbst bei 10 km einfacher Strecke und 220 Arbeitstagen sind das 660 € Pendlerpauschale. Zusammen mit Kontoführungspauschale, Arbeitsmitteln und Internet kommst du schnell über die 1.230-€-Pauschale. Und genau ab diesem Punkt gibt es Geld zurück.
Steuererklärung anfangen
Du weißt jetzt, dass sich die Steuererklärung für dich lohnt. Jetzt fehlt nur noch der erste Schritt.
- Prüfe, ob du ein ELSTER-Konto hast – falls nicht, registriere dich heute. Der Aktivierungscode braucht ein paar Tage.
- Wähle deine Software – schau dir unseren Vergleich an und such dir das Programm aus, das zu dir passt.
- Leg einen Ordner an – digital reicht. Sammle Lohnsteuerbescheinigung, Handwerkerrechnungen und Versicherungsnachweise. Das meiste holt der Belegabruf automatisch.
Wenn du deine Finanzen gerade ohnehin neu sortierst, ist die Steuererklärung der logische nächste Schritt. Ein paar Hundert Euro Erstattung sind ein guter Anfang.