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Unfallversicherung vergleichen
Grundsumme, Progression und Gliedertaxe der privaten Unfallversicherung.
Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt nur bei der Arbeit und auf dem direkten Arbeitsweg. Überleg vorher, welche Invaliditätssumme du brauchst, etwa für einen Umbau der Wohnung oder ein neues Auto mit Automatik, dann stellst du Grundsumme und Progression gezielt ein.
Was die gesetzliche Unfallversicherung abdeckt
Als Arbeitnehmer bist du über deinen Arbeitgeber gesetzlich unfallversichert. Das gilt bei der Arbeit und auf dem unmittelbaren Weg zur Arbeit und zurück. Für Pendler ist das ein wichtiger Schutz. Machst du aber einen Umweg, etwa zum Einkaufen, oder passiert der Unfall am Wochenende beim Radfahren, zahlt sie nicht. Die meisten Unfälle passieren in der Freizeit und im Haushalt.
Die private Unfallversicherung gilt rund um die Uhr und weltweit. Sie zahlt vor allem bei dauerhaften Folgen eines Unfalls, also bei Invalidität.
Grundsumme und Progression
Die Grundsumme ist der Betrag, den du bei 100 Prozent Invalidität bekommst. Bei Teilinvalidität gibt es den entsprechenden Anteil. Die Progression erhöht die Leistung bei schweren Fällen. Bei 225 Prozent Progression und 100 Prozent Invalidität bekommst du das 2,25-Fache der Grundsumme.
Eine sinnvolle Grundsumme liegt beim Zwei- bis Dreifachen deines Bruttojahreseinkommens. Erhöhe lieber die Grundsumme als die Progression: Die meisten Unfälle führen zu geringer Invalidität, und dort wirkt die Progression kaum oder gar nicht.
Die Gliedertaxe
Wie hoch der Invaliditätsgrad ist, regelt die Gliedertaxe. Sie legt fest, wie viel Prozent der Verlust oder die Funktionsunfähigkeit eines Körperteils wert ist. Ein Beispiel: Für den Verlust einer Hand setzen viele Tarife 55 bis 70 Prozent an, für einen Daumen 20 bis 25 Prozent. Höhere Werte bedeuten mehr Geld im Ernstfall. Vergleiche die Gliedertaxe, wenn du beruflich auf bestimmte Körperteile angewiesen bist, etwa als Handwerker oder Musiker.
Leistungen, auf die du achten solltest
- Frist für die Invalidität: Gute Tarife geben dir 24 Monate Zeit, bis die Invalidität eingetreten sein muss, und 36 Monate für die ärztliche Feststellung.
- Mitwirkung von Krankheiten: Der Versicherer darf kürzen, wenn eine Vorerkrankung die Unfallfolgen verschlimmert hat. Gute Tarife kürzen erst ab 40 oder 50 Prozent Mitwirkung.
- Erweiterter Unfallbegriff: Auch Zerrungen durch erhöhte Kraftanstrengung, Zeckenbisse oder Vergiftungen sollten versichert sein.
- Unfallrente: Eine monatliche Rente ab einem bestimmten Invaliditätsgrad ist sinnvoll, wenn du kein anderes Einkommen absichern kannst.
- Bergungskosten und kosmetische Operationen: Günstige Zusatzleistungen, die im Ernstfall teuer werden können.
Verzichte auf Krankenhaustagegeld und Todesfallleistung. Das erste zahlt wenig, das zweite deckt eine Risikolebensversicherung günstiger ab.
Unfallversicherung oder Berufsunfähigkeit?
Die Unfallversicherung zahlt nur nach Unfällen. Die meisten Menschen werden aber durch Krankheiten berufsunfähig. Wer eine BU bekommt, sollte die zuerst abschließen. Die Unfallversicherung ist eine sinnvolle Ergänzung für Kinder, Hausfrauen und Hausmänner, Rentner und für alle, die wegen ihres Berufs oder ihrer Gesundheit keine BU bekommen.
Bestehenden Vertrag prüfen
Alte Verträge haben oft niedrige Grundsummen und schwache Bedingungen. Vergleiche Grundsumme, Fristen und Mitwirkungsgrenze mit aktuellen Tarifen. Viele Verträge enthalten eine Beitragsdynamik, die den Beitrag jedes Jahr erhöht. Sie lässt sich meist abwählen.
Unfallversicherung für Kinder
Kinder sind in Kita und Schule und auf dem Weg dorthin gesetzlich unfallversichert, beim Spielen am Nachmittag und im Urlaub nicht. Gerade bei Kindern kann eine bleibende Beeinträchtigung lebenslange Kosten auslösen, etwa für einen Umbau, Therapien oder ein geringeres Einkommen. Eine Kinderunfallversicherung kostet meist nur wenige Euro im Monat. Wähle eine hohe Grundsumme und, wenn möglich, eine Unfallrente. Prüf auch, ob Vergiftungen durch Medikamente oder Reinigungsmittel versichert sind.
Was im Schadenfall wichtig ist
Melde den Unfall sofort und lass die Verletzungen ärztlich dokumentieren. Die Invalidität muss innerhalb der vereinbarten Frist eintreten und ärztlich festgestellt werden. Versäumst du diese Frist, kann der Anspruch entfallen. Bewahre alle Arztberichte auf. Bei Streit über den Invaliditätsgrad kannst du ein eigenes Gutachten einholen.
So nutzt du den Vergleich
Stell zuerst die Grundsumme ein, dann die Progression. Vergleiche die günstigsten Tarife auf Fristen, Mitwirkungsgrenze und Gliedertaxe. Gib deinen Beruf korrekt an, denn er bestimmt die Gefahrengruppe und damit den Beitrag. Riskante Hobbys wie Motorsport oder Klettern solltest du vorher klären, manche Tarife schließen sie aus.
Passt dazu: Berufsunfähigkeitsversicherung, Privathaftpflicht. Mehr im Ratgeber: Versicherungen checken, oder alle Versicherungsvergleiche.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Unfallversicherung, wenn ich gesetzlich versichert bin?
Die gesetzliche Unfallversicherung gilt nur bei der Arbeit und auf dem direkten Arbeitsweg. Für Unfälle in der Freizeit, beim Sport oder im Haushalt zahlt nur eine private Unfallversicherung.
Wie hoch sollte die Grundsumme sein?
Als Richtwert das Zwei- bis Dreifache deines Bruttojahreseinkommens. Eine höhere Grundsumme ist meist sinnvoller als eine hohe Progression, weil die meisten Unfälle nur zu geringer Invalidität führen.
Zahlt die Unfallversicherung bei einem Bandscheibenvorfall?
In der Regel nicht, weil ein Bandscheibenvorfall meist als Verschleiß und nicht als Unfall gilt. Manche Tarife leisten, wenn ein Unfall die überwiegende Ursache war. Lies die Bedingungen genau.
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