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Berufsunfähigkeitsversicherung vergleichen
Rentenhöhe, Verweisungsverzicht und Gesundheitsfragen bei der BU richtig einordnen.
Halte dein Nettoeinkommen, deinen Beruf mit den tatsächlichen Tätigkeiten und deine Arztbesuche der letzten Jahre bereit. Damit stellst du im Rechner die Rente ein und weißt schon vorher, welche Gesundheitsfragen auf dich zukommen.
Warum die gesetzliche Absicherung nicht reicht
Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, hat keinen gesetzlichen Schutz bei Berufsunfähigkeit mehr. Die Rentenversicherung zahlt nur eine Erwerbsminderungsrente, und die fragt nicht, ob du deinen Beruf noch ausüben kannst, sondern ob du irgendeine Arbeit machen kannst. Die volle Erwerbsminderungsrente gibt es erst, wenn du weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kannst, die halbe bei drei bis unter sechs Stunden. Der Betrag liegt meist weit unter deinem bisherigen Netto.
Die private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) schließt diese Lücke. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Die häufigsten Gründe sind psychische Erkrankungen und Rückenleiden, nicht Unfälle.
Wie hoch die Rente sein sollte
Als Richtwert gelten 70 bis 80 Prozent deines Nettoeinkommens. Rechne konkret: Was kosten Miete, Kredit, Auto und Lebenshaltung im Monat? Was fällt weg, wenn du nicht mehr arbeitest, etwa Fahrtkosten? Von der BU-Rente gehen später noch Kranken- und Pflegeversicherung ab, und sie ist teilweise steuerpflichtig. Plane also eher etwas mehr ein.
Die Versicherer begrenzen die Rente auf einen Teil deines Einkommens. Berufseinsteiger und Studierende bekommen oft feste Höchstbeträge.
Bedingungen, die im Ernstfall entscheiden
- Verzicht auf abstrakte Verweisung: Ohne diesen Verzicht kann der Versicherer dich auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch ausüben könntest, auch wenn du ihn nie ausübst. Gute Tarife verzichten darauf. Das ist heute Standard, prüf es trotzdem.
- Laufzeit bis 67: Endet der Vertrag mit 60, fehlen dir im Ernstfall sieben Jahre Rente bis zur Altersrente. Leistungs- und Vertragsdauer sollten bis zum Rentenbeginn reichen.
- Nachversicherungsgarantie: Bei Heirat, Geburt, Hauskauf oder Gehaltssprung erhöhst du die Rente ohne neue Gesundheitsprüfung.
- Rückwirkende Leistung: Meldest du den Fall verspätet, etwa weil du lange krank warst, zahlt ein guter Tarif trotzdem ab Beginn der Berufsunfähigkeit.
- Prognosezeitraum sechs Monate: Die Rente fließt, wenn die Berufsunfähigkeit voraussichtlich mindestens sechs Monate dauert, nicht erst nach Jahren.
Gesundheitsfragen: der wichtigste Teil
Im Antrag fragt der Versicherer nach Behandlungen, Diagnosen und Medikamenten der letzten Jahre, meist drei bis fünf, bei psychischen Erkrankungen oft länger. Beantworte jede Frage vollständig. Lass dir deine Patientenakte von Hausarzt und Fachärzten geben, bevor du ausfüllst, und vergleiche sie mit deiner Erinnerung. In Akten stehen oft Diagnosen, die dir nie jemand gesagt hat, etwa für eine Krankschreibung.
Verschweigst du etwas, kann der Versicherer bis zu fünf Jahre nach Vertragsschluss vom Vertrag zurücktreten, bei Vorsatz oder Arglist sogar bis zu zehn Jahre. Dann zahlst du jahrelang Beiträge und bekommst im Ernstfall nichts.
Bei Vorerkrankungen hilft eine anonyme Risikovoranfrage über einen Makler. So erfährst du, ob ein Versicherer dich mit Ausschluss oder Zuschlag nimmt, ohne dass eine Ablehnung bei anderen Gesellschaften bekannt wird.
Was die BU kostet
Den Beitrag bestimmen vor allem Beruf, Eintrittsalter und Gesundheit. Ein Bürojob kostet deutlich weniger als ein Handwerksberuf. Je jünger du abschließt, desto günstiger ist der Beitrag über die gesamte Laufzeit. Achte auf den Unterschied zwischen Netto- und Bruttobeitrag: Der Nettobeitrag ist das, was du heute zahlst. Der Bruttobeitrag ist das, was der Versicherer höchstens verlangen darf, wenn die Überschüsse sinken. Liegen beide weit auseinander, kann es später teurer werden.
Ist dir die BU zu teuer, schau dir zuerst eine niedrigere Rente mit Nachversicherungsgarantie an, bevor du auf eine Unfall- oder Grundfähigkeitsversicherung ausweichst. Die zahlen bei psychischen Erkrankungen meist nicht.
So nutzt du den Vergleich
- Wunschrente aus deinem Netto ableiten, Laufzeit bis 67 einstellen.
- Die Tarife mit dem niedrigsten Nettobeitrag auf Verweisung, Nachversicherung und rückwirkende Leistung prüfen.
- Patientenakten anfordern, dann erst den Antrag stellen.
- Nach Abschluss hast du 30 Tage Widerrufsrecht.
Wenn du schon eine BU hast
Hol den Vertrag einmal heraus und prüf drei Dinge: Bis wann läuft die Rente? Reicht die Höhe noch für dein heutiges Einkommen? Und steht ein Verzicht auf abstrakte Verweisung in den Bedingungen? Einen bestehenden Vertrag kündigst du nur, wenn der neue angenommen ist, denn bei einem Neuabschluss wirst du mit deinem heutigen Alter und Gesundheitszustand neu bewertet. Oft ist eine Erhöhung über die Nachversicherungsgarantie der bessere Weg.
Passt dazu: Unfallversicherung, Risikolebensversicherung. Mehr im Ratgeber: Versicherungen checken, oder alle Versicherungsvergleiche.
Häufige Fragen
Ab welchem Grad zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?
In fast allen Tarifen ab 50 Prozent: Du kannst deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate lang zu mindestens der Hälfte nicht mehr ausüben. Dann zahlt der Versicherer die volle vereinbarte Rente.
Was passiert, wenn ich im Antrag eine Krankheit vergesse?
Der Versicherer kann bis zu fünf Jahre nach Vertragsschluss zurücktreten oder den Vertrag anpassen, bei Vorsatz oder Arglist bis zu zehn Jahre. Fordere deshalb vor dem Antrag deine Patientenakten an und gib alles an, was gefragt ist.
Lohnt sich eine BU noch mit 45?
Ja, wenn du von deinem Einkommen lebst. Der Beitrag ist höher als mit 25, und die Gesundheitsfragen sind schwieriger. Kürze die Laufzeit nicht ab: Das spart wenig und lässt dich im Ernstfall vor der Rente ohne Geld.
Ist die BU-Rente steuerpflichtig?
Eine private BU-Rente wird nur mit dem Ertragsanteil besteuert, der von der Restlaufzeit der Rente abhängt. Bei einer Basisrente mit BU-Schutz gelten andere Regeln. Plane für Steuer und Krankenversicherung einen Abschlag von deiner Wunschrente ein.
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