Girokonto wechseln: Ablauf, Kontowechselhilfe und Stolperfallen

Girokonto wechseln mit der gesetzlichen Kontowechselhilfe: wann es sich lohnt, wie der Ablauf funktioniert und welche Zahlungen du selbst umstellen musst.

4 Min. Lesezeit ·Aktualisiert am 11. Oktober 2026

Girokonto wechseln: Kurzfassung

Wer für sein Girokonto Gebühren zahlt, sollte prüfen, ob es nicht günstiger geht. Der Wechsel selbst ist längst kein Wochenprojekt mehr: Seit 2016 regelt das Zahlungskontengesetz eine Kontowechselhilfe, bei der die neue Bank Daueraufträge, Lastschriften und Zahlungspartner für dich umzieht. Du unterschreibst einmal, den Rest erledigen die Banken innerhalb von zwölf Geschäftstagen.

  • Lohnt sich, wenn du Kontoführungs- oder Kartengebühren zahlst, einen hohen Dispozins hast oder Funktionen wie Unterkonten vermisst.
  • Kontowechselhilfe: gesetzlich geregelt, für dich kostenlos, Dauer rund zwei bis drei Wochen.
  • Kündigung: Ein Girokonto kannst du jederzeit ohne Frist kündigen.
  • Reihenfolge: neues Konto eröffnen, Wechselhilfe beauftragen, beide Konten ein bis zwei Monate parallel laufen lassen, dann das alte schließen.
  • Aktuelle Konditionen im Girokonto-Vergleich.

Lohnt sich der Wechsel für dich?

Nimm die Entgeltaufstellung zur Hand, die dir deine Bank einmal im Jahr schicken muss, oder rechne aus den Kontoauszügen zusammen:

KostenpunktWo du ihn findestWorauf du achtest
KontoführungsgebührMonatlicher Abzug „Entgelt“ oder „Kontoführung“Gesamtkosten pro Jahr, nicht nur den Monatsbetrag.
Girocard und KreditkarteJährliche BelastungBrauchst du beide? Was kostet die Partnerkarte?
Buchungsposten, PapierüberweisungPreis- und LeistungsverzeichnisOft versteckt in „pro Buchung“ oder „beleghaft“.
BargeldFremdautomaten, AuslandWie viele Gratis-Abhebungen, welches Automatennetz?
DispozinsKontoauszug, PreisaushangWichtig, falls du ihn manchmal nutzt.

Liegt die Summe über null und du brauchst keine Filialberatung, lohnt sich der Vergleich. Viele Direktbanken bieten das Konto kostenlos an, oft mit einer Bedingung wie einem monatlichen Geldeingang. Prüf, ob dein Gehalt das erfüllt.

So läuft die Kontowechselhilfe

  1. Neues Konto eröffnen und per Video- oder Post-Ident legitimieren.
  2. Wechselhilfe beauftragen: Formular oder Online-Strecke der neuen Bank. Du legst fest, welche Daueraufträge und Lastschriften umziehen, ob das alte Konto geschlossen und das Guthaben übertragen werden soll.
  3. Die neue Bank fordert innerhalb von zwei Geschäftstagen die Daten bei der alten Bank an.
  4. Die alte Bank liefert innerhalb von fünf Geschäftstagen die Liste der Daueraufträge, Lastschriften und regelmäßigen Eingänge.
  5. Die neue Bank richtet die Daueraufträge ein und informiert Zahlungspartner wie Arbeitgeber, Vermieter und Versicherungen über die neue IBAN, wenn du das beauftragt hast.

Die gesetzlichen Fristen stehen im Zahlungskontengesetz (§§ 20 ff. ZKG). Manche Banken bieten zusätzlich einen digitalen Wechselservice, der deine Umsätze analysiert und Zahlungspartner per E-Mail anschreibt. Beides ist für dich kostenlos.

Stolperfallen beim Kontowechsel

  • Jährliche Lastschriften vergessen: Die Wechselhilfe sieht meist nur die letzten 13 Monate. Kfz-Versicherung, Rundfunkbeitrag oder Jahresabos, die selten abgebucht werden, solltest du selbst prüfen.
  • Altes Konto zu früh schließen: Mindestens ein bis zwei Monate parallel laufen lassen. Rücklastschriften kosten Gebühren und Ärger.
  • Dispo auf dem alten Konto: Ein Minus muss vor der Schließung ausgeglichen sein. Wer dauerhaft im Dispo steht, liest vorher Dispo loswerden.
  • PayPal, Amazon und Online-Shops: Hinterlegte Bankverbindungen dort selbst ändern, die Wechselhilfe erreicht sie nicht immer.
  • Finanzamt und Familienkasse: neue IBAN für Steuererstattung und Kindergeld selbst mitteilen, falls nicht über die Wechselhilfe erledigt.
  • Prämie mit Bedingungen: Wechselprämien gibt es oft nur bei Gehaltseingang über mehrere Monate. Bedingungen lesen, bevor du dich vom Bonus leiten lässt.

Häufige Fragen zum Girokonto-Wechsel

Wie lange dauert ein Kontowechsel?

Mit der gesetzlichen Kontowechselhilfe sind Daueraufträge und Lastschriften nach etwa zwölf Geschäftstagen umgezogen. Plane trotzdem ein bis zwei Monate ein, in denen beide Konten parallel laufen.

Kostet die Kontowechselhilfe etwas?

Für dich als Verbraucher in der Regel nicht. Die alte Bank muss die Informationen kostenlos liefern, die neue Bank bietet den Service als Teil der Kontoeröffnung an.

Hat ein Kontowechsel Einfluss auf die Schufa?

Die Eröffnung eines Girokontos wird gemeldet, verschlechtert den Score aber in der Regel nicht spürbar. Wer gerade einen Kredit beantragt, wechselt besser danach.

Kann ich mein altes Konto einfach kündigen?

Ja, Verbraucher können ein Girokonto jederzeit ohne Frist kündigen. Vorher muss es ausgeglichen sein, und alle Zahlungen sollten auf dem neuen Konto ankommen.

Dein Plan für den Wechsel

  1. Heute: Kontokosten des letzten Jahres zusammenrechnen.
  2. Diese Woche: im Vergleich zwei bis drei Konten prüfen, Bedingungen für die kostenlose Kontoführung lesen, eines eröffnen.
  3. Nach der Eröffnung: Kontowechselhilfe beauftragen, PayPal, Online-Shops und Finanzamt selbst umstellen.
  4. Nach zwei Monaten: altes Konto auf seltene Abbuchungen prüfen, Restguthaben übertragen, kündigen.

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